Kordons vertane Chance

„Der einarmige Boxer“ von Klaus Kordon hat alles, was ein Jugendroman so braucht: junge Helden mit Problemen (Feri, 17, ist schwanger von Milan, 18), Stress mit den Eltern („Bin doch keine sieben mehr, sondern siebzehn!“), und auch sonst allerlei Widrigkeiten, die die Charaktere interessant machen sollen, deren Persönlichkeiten allein einfach zu flach wäre (Milans Mutter ist Alkoholikerin, der Vater im Knast, er selbst hat bei einem Unfall einen Arm verloren).

Abgesehen von der dramatischen Situation bietet der Roman jedoch leider wenig Tiefe. Die Hauptfiguren sind oberflächlich und viel zu sehr Stereotyp „jugendlich“, es findet keinerlei personelle Entwicklung statt und das Ende ist sowieso von Anfang an klar. Das beleuchtete Problem ist ein ernstes Thema. Ein Thema, das einen mitfühlend und grübelnd zurücklassen sollte und nicht zufrieden mit Feris Glück. Wieso traut sich der vielgelobte Autor Kordon nicht wenigstens, auf ein solch bedingungsloses Happy End zu verzichten? Sind wir jungen Menschen nicht fähig, mit einem Schicksalsschlag als Schluss fertig zu werden?

Und überhaupt: Warum denken erwachsene Autoren immer, sie würden nur authentisch jugendliche Dialoge kreieren können, indem sie in ihren simplen, parataktischen Sätzen sämtliche Personalpronomina unterschlagen? Glauben die, wir reden wirklich so? „Kann heute Abend nichts essen. […] Bin noch satt vom Eis. Will lieber ein bisschen spazieren gehen. Ist so schön am See.“ Okay, wir haben es verstanden!

Insgesamt bleibt der Einblick in das schwierige Thema Schwangerschaft während der Adoleszenz viel zu seicht. Es wirkt, als sei das Einzige, womit junge betroffene Frauen in solch einer Situation zu kämpfen hätten, die Diskussion mit Eltern und Freunden (die letztendlich natürlich doch hinter ihnen stehen). „Der einarmige Boxer“ verrät uns nichts über Selbstzweifel, fehlende Lebenserfahrung oder missgünstige Blicke. Und genau das wäre wichtig gewesen, um sich als Unbetroffene/r in Menschen mit diesem Schicksal hineinversetzen zu können. Pluspunkte gibt es für das mutige Thema, ansonsten lässt der Roman jedoch zu wünschen übrig.

Kat

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